Die Reise der Seele …
Was geschieht während des Sterbens …
Der Übergang vom physischen Erlöschen bis zum Eintreten des Bewusstseins in den „Kaf ha-Kela“ (das Niemandsland zwischen den Welten) ist ein mehrstufiger Entkopplungsprozess.
In der kabbalistischen Anatomie des Sterbens (insbesondere nach Luria und den Ausführungen des Sohar) geschieht dieser Weg nicht abrupt, sondern als schrittweises Zurückziehen der Lebenskräfte durch die Schichten der Welt Assiah.
Das Erlöschen des Lebensfunkens und das Schauen der Schechina
Der Prozess beginnt noch vor dem letzten Atemzug auf der physischen Ebene:
Das Lösen der Nefesch: Die unterste Seelenebene (Nefesch), die das Blut und die vegetativen Körperfunktionen belebt hat, beginnt sich aus den Organen zurückzuziehen.
Der Blick durch den Schleier: Kurz vor dem Tod öffnet sich die feinstoffliche Wahrnehmung. Der Mensch schaut das Licht der Schechina (der einwohnenden göttlichen Gegenwart). Wir kennen diese Lichtschau von Reanimierten. In diesem Lichtblick erkennt die Seele die absolute Wahrheit ihres bisherigen Lebens. Das Physische verliert schlagartig seine Dominanz.
Die Lösung des „silbernen Bandes“ oder „silberner Faden“ (Chabel ha-Kasef)
Der Moment des Reißens im Sohar
Wenn dieser Faden zerreißt, erlischt das Abbild (Zelem) des Menschen in der physischen Welt endgültig. Der Sohar beschreibt, dass in genau diesem Moment der Trennung, die Nefesch den Körper verlässt, woraufhin die elementare Formauflösung des physischen Leibes (Verwesung) beginnt.
Mit dem Aussetzen des Atems bricht die organische Verbindung:
Trennungsakt: Die energetische Schnur, die den feinstofflichen Empfindungskörper „Nefesch“ mit dem physischen Leib „Guf“ verbindet, reißt.
Die Orientierungsphase: Die Nefesch befindet sich nun in der unmittelbarsten Dunstsphäre des Körpers (dem feinstofflichen Assiah). Sie nimmt ihren eigenen leblosen Körper wahr und erfährt das erste Ablegen der physischen Sinnesorgane.
Das Dreitage-Gedächtnis und die Bindung an die Form
In den ersten drei Tagen nach dem körperlichen Tod bleibt die Nefesch in starker Resonanz mit dem abgelegten Leib:
Verdichtung der Gedankenmuster: Während der Körper beginnt seiner Eigengesetzmäßigkeit (Verwesungsprozesse) nachzugehen, bleibt der „Astralkörper“ oder anders formuliert, bleibt die ätherische Form, der Zelem bestehen.
Sämtliche im Leben aufgebauten Begehren, Ängste, ungeklärten Affekte und Verhaftungen an die materielle Welt sind in dieser Form, im Zelem als energetische Erinnerungen gespeichert.
Der Schwere-Effekt: Wenn das Bewusstsein zeitlebens stark mit dem Materiellen, dem Ego und den Sinnen identifiziert war, hat diese ätherische Form, der Zelem eine hohe „Dichte“.
Diese hohe „Dichte“ bindet die Nefesch an das „feinstoffliche Assiah“.
Auch die untere Neschmah kann dann nicht von selbst in die höheren Erlösungsschritte aufsteigen.
Die Abschnürung und das „Hineingezogenwerden“ in das Vakuum (Niemandsland)
Nun vollzieht sich der eigentliche Übergang in den Kaf ha-Kela (laut Bernhard P. Wirth als „Wartezimmer“ bezeichnet):
Der Verlust des physischen Ankers: Der physische Körper steht als Bezugspunkt und Schutzhülle nicht mehr zur Verfügung. Die Seele (Nefesch) hat keine Sinnesorgane mehr, um sich in der physischen Materie zu bewegen, und keinen Körper, um Handlungen (Assiah) auszuführen.
Abstoßung und Anziehung: Die Nefesch drängt nach oben, weil ihr innerer göttlicher Kern (Neschamah) zurück zur Quelle will. Gleichzeitig zieht das Gewicht ihrer ungelösten Kelipot (der verdunkelnden Schalen aus Ego-Anhaftung) sie nach unten.
Das Eintreten in die Schleuder (Niemandsland): Da sie weder unten haften bleiben kann (der Körper ist tot) noch nach oben durchsteigen kann (die Schalen versperren den Durchgang), bricht der Raum-Zeit-Bezug zusammen. Das Bewusstsein tritt ein in das feinstoffliche Vakuum (Niemandsland) der Welt Assiah.




